Arbeitszeugnis Formulierungen und was sie bedeuten

Zuletzt geprüft am 29. August 2026

Kurz gesagt

Die Note steckt in drei Formeln: Leistung, Zufriedenheit und Führung. Dort zählt jedes Wort. stets steht für die Häufigkeit, vollste für den Grad. Fehlt eines von beiden, ist das in aller Regel Absicht und bedeutet eine Note schlechter. Unten stehen alle drei Skalen als Tabelle.

Die drei Formeln, in denen die Note steckt

Ein Arbeitszeugnis besteht aus Textbausteinen, die wie normale Sätze klingen und in Wahrheit eine Skala sind. Drei Formeln tragen die Bewertung: die Leistungsformel, die Zufriedenheitsformel und die Führungsformel. Alles andere ist Beiwerk.

Wenn du nur einen Satz prüfst, prüfe die Zufriedenheitsformel. Sie steht meist im letzten Drittel und enthält die eigentliche Gesamtnote.

Zufriedenheitsformel: die vollständige Notenskala

Zwei Wörter entscheiden. stets steht für die Häufigkeit, vollste für den Grad. Fehlt eines von beiden, ist das in aller Regel Absicht und bedeutet eine Note schlechter.

Formulierung im ZeugnisBedeutungNote
stets zu unserer vollsten Zufriedenheitsehr gut1
zu unserer vollsten Zufriedenheitgut bis sehr gut1 bis 2
stets zu unserer vollen Zufriedenheitgut2
zu unserer vollen Zufriedenheitbefriedigend3
stets zu unserer Zufriedenheitbefriedigend bis ausreichend3 bis 4
zu unserer Zufriedenheitausreichend4
im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheitmangelhaft5
hat sich bemüht, unseren Erwartungen zu entsprechenungenügend6

Die Steigerung liegt in vollste, nicht in voll. Wer nur voll zufrieden im Zeugnis stehen hat, hat eine Zwei oder eine Drei, keine Eins. Das ist der am häufigsten missverstandene Punkt der ganzen Zeugnissprache.

Formulierungen, die nicht auf der Skala stehen

Nicht jedes Zeugnis hält sich an die Musterformeln. Häufig zu lesen und in keiner Tabelle zu finden sind Varianten wie stets sehr zufrieden, jederzeit zu unserer vollsten Zufriedenheit oder uneingeschränkt zufrieden. So ordnet man sie ein:

VarianteWie sie zu lesen ist
jederzeit statt stetsgleichwertig, die Häufigkeit ist genauso ausgedrückt
stets sehr zufriedenzwischen Eins und Zwei, weil sehr die Steigerung vollste nicht erreicht
sehr zufrieden, ohne stetsetwa Zwei bis Drei, weil die Häufigkeit fehlt
uneingeschränkt oder vollumfänglich zufriedenwie vollste, also Eins
in jeder Hinsicht zu unserer vollsten ZufriedenheitEins, die Verstärkung ist gewollt
zu unserer Zufriedenheit erledigtVier, das Verb ändert nichts an der Note

Die Regel dahinter bleibt in allen Fällen dieselbe. Es zählt erstens, ob eine Angabe zur Häufigkeit da ist, und zweitens, wie stark das Steigerungswort ist. Fehlt eines von beiden, geht es eine Note nach unten.

Wer was beweisen muss

Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass zur vollen Zufriedenheit, also eine Drei, die durchschnittliche Beurteilung ist. Wer eine bessere Note im Zeugnis haben will, muss die Tatsachen darlegen und im Streitfall beweisen, die eine bessere Leistung belegen (BAG, Urteil vom 18. November 2014, 9 AZR 584/13).

Umgekehrt gilt: Steht in deinem Zeugnis eine schlechtere Note als eine Drei, muss der Arbeitgeber begründen und beweisen, warum. Diese Verteilung ist der praktisch wichtigste Satz zum ganzen Thema, weil sie entscheidet, wer beim Streit um eine Formulierung am längeren Hebel sitzt.

Leistungsformel: die Arbeitsergebnisse selbst

Sie bewertet nicht die Zufriedenheit des Arbeitgebers, sondern die Leistung. Hier tragen stets, sehr gut und gut die Note.

Formulierung im ZeugnisBedeutungNote
stets sehr gute Leistungensehr gut1
sehr gute Leistungengut bis sehr gut1 bis 2
stets gute Leistungengut2
gute Leistungenbefriedigend3
stets zufriedenstellende Leistungenbefriedigend bis ausreichend3 bis 4
zufriedenstellende Leistungenausreichend4
insgesamt zufriedenstellende Leistungenmangelhaft5
bemühte sich, den Anforderungen gerecht zu werdenungenügend6

Der Aufbau ist derselbe wie bei der Zufriedenheitsformel: stets hebt um eine Stufe, sein Fehlen senkt um eine Stufe.

Führungsformel: das Verhalten

Sie beschreibt das Verhalten gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden.

Formulierung im ZeugnisBedeutungNote
Das Verhalten war stets vorbildlichsehr gut1
Das Verhalten war vorbildlichgut2
Das Verhalten war stets einwandfreigut2
Das Verhalten war einwandfreibefriedigend3
Das Verhalten war korrektausreichend4
Das Verhalten war ordnungsgemäßmangelhaft5
Das Verhalten gab zu Beanstandungen keinen Anlassungenügend6

Achte zusätzlich auf die Reihenfolge. Üblich ist Vorgesetzte, dann Kollegen, dann Kunden. Werden die Kollegen zuerst genannt, wird das traditionell als Hinweis auf Schwierigkeiten mit Vorgesetzten gelesen. Diese Deutung ist allerdings umstritten und von Gerichten nicht durchgängig anerkannt.

Fehlen die Vorgesetzten in der Aufzählung ganz, ist das ein deutliches Signal.

Häufige Geheimcodes

Formulierung im ZeugnisWie Personalabteilungen sie lesen
im Rahmen seiner Fähigkeitendie Fähigkeiten waren begrenzt
hat die ihm übertragenen Aufgaben ordnungsgemäß erledigtnur das Nötigste
zeigte Verständnis für die Arbeithat wenig davon selbst erledigt
war stets pünktlich, als hervorgehobenes Lobes gab sonst wenig zu loben
trug durch seine Geselligkeit zur Verbesserung des Betriebsklimas beitraditionell als Hinweis auf Alkohol gelesen
bemühte sich oder war bestrebtder Erfolg blieb aus
verfügt über Fachwissen und setzt es erfolgreich ein, ohne SteigerungDurchschnitt
arbeitete selbstständig, ohne weitere Angabewenig Eigeninitiative

Auch hier gilt: Ein Teil dieser Deutungen stammt aus Ratgeberliteratur und ist nicht gerichtsfest. Sie beschreiben, wie Personalabteilungen lesen, nicht was rechtlich feststeht.

Die Schlussformel

Üblich sind drei Teile: Bedauern über das Ausscheiden, Dank für die Zusammenarbeit und gute Wünsche für die Zukunft. Fehlt einer davon, lesen Personalabteilungen das als Distanzierung.

SchlusssatzWie er gelesen wird
Wir bedauern sein Ausscheiden sehr, danken für die stets hervorragende Arbeit und wünschen alles Gutevollständig, positiv
Wir danken für die Zusammenarbeit und wünschen alles GuteBedauern fehlt, leichte Distanz
Wir wünschen für die Zukunft alles GuteBedauern und Dank fehlen, deutliche Distanz
Er verlässt uns auf eigenen Wunschohne jede Wertung, kühl

Einen Anspruch auf die Schlussformel hast du allerdings nicht. Das Bundesarbeitsgericht hat 2012 entschieden, dass ein Arbeitgeber nicht gezwungen werden kann, Dank oder gute Wünsche auszusprechen.

Dein Zeugnis kostenlos entschlüsseln

Wenn du die Formeln nicht einzeln nachschlagen willst, füge den Text in das Werkzeug auf dieser Seite ein. Es sucht die drei tragenden Formeln, markiert die Geheimcodes und leitet daraus eine geschätzte Schulnote ab.

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Worauf du einen Anspruch hast

Nach § 109 GewO hast du Anspruch auf ein wohlwollend formuliertes, wahres Zeugnis. Einen Anspruch auf eine gute Note hast du damit aber nicht.

Das Bundesarbeitsgericht hat 2014 entschieden, dass die Note befriedigend der Maßstab ist. Wer eine bessere Beurteilung will, muss selbst darlegen und beweisen, dass die Leistung überdurchschnittlich war. Dass in der Praxis die meisten Zeugnisse gut oder sehr gut lauten, ändert daran nichts.

Umgekehrt gilt aber auch: Wer eine schlechtere Note als befriedigend ins Zeugnis schreibt, muss das beweisen. Die Beweislast dreht sich an dieser Stelle.

Was nicht ins Zeugnis gehört

Krankheiten, Fehlzeiten, eine Schwerbehinderung und eine Schwangerschaft haben im Zeugnis nichts zu suchen. Die Mitgliedschaft im Betriebsrat oder in einer Gewerkschaft darf nur mit deinem Einverständnis erwähnt werden.

Ausnahme: Eine sehr lange Abwesenheit darf genannt werden, wenn sie sonst ein völlig falsches Bild von der Beschäftigungsdauer ergäbe.

Wenn dir etwas auffällt

Melde dich zeitnah und sachlich, am besten mit einem konkreten Änderungsvorschlag statt mit einer allgemeinen Beschwerde. Also nicht "das Zeugnis ist zu schlecht", sondern "bitte ersetzen Sie Satz X durch Satz Y".

Der Anspruch verjährt regelmäßig nach drei Jahren zum Jahresende. In Arbeits- und Tarifverträgen stehen aber oft Ausschlussfristen von drei bis sechs Monaten, und danach ist Schluss. Unabhängig davon kann der Anspruch verwirken, wenn du sehr lange wartest.

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Dieser Text gibt allgemeine Informationen zur Gesetzeslage und zur veröffentlichten Rechtsprechung wieder. Er ist keine Rechtsberatung und prüft deinen Einzelfall nicht. Ob die genannten Regeln auf deine Situation zutreffen, entscheidest du selbst, im Zweifel nach Rücksprache mit einem Mieterverein, einer Gewerkschaft oder einer Anwaltskanzlei.

Rechtsgrundlagen

Der amtliche Wortlaut beim Bundesministerium der Justiz.

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